Werbung [ohne Auftrag] – Internationaler Frauentag – Weltfrauentag! Dazu hatte ich eine wirklich eineindeutige Meinung. Ja, allerdings nur bis gestern, denn da hat sich meine Tochter Maximiliane  mit mir einen Schlagabtausch geliefert, der sich gewaschen und mich doch tatsächlich noch einmal zum Nachdenken gebracht hat. Warum war mir dieser Tag bisher als ziemlich überflüssig erschienen, wo ich doch, für alle spürbar, immer wieder den Finger genau in diese Wunde lege? Weil es mir unsinnig erschienen ist, etwas so Selbstverständliches, wie die Gleichberechtigung auf einen Tag zu begrenzen. Ein wenig so, wie den Muttertag zu zelebrieren, sich aber an allen anderen 364 Tagen nicht für ihr Wohlergehen verantwortlich zu fühlen.

Und ich glaube, dass genau da mein Gehirn eine falsche Abzweigung genommen hat, denn in dem Wort “Verantwortung” liegt des Pudels Kern. Die Verantwortung für eine, überall auf der Welt bestehende gesellschaftliche Schieflage, mit zu übernehmen. Es geht nämlich gar nicht ausschließlich um die vergleichsweise unspektakuläre Ungleichbehandlung von Frauen hier in unseren Breitengraden: Es geht um alle Frauen auf der Welt! Der Internationale Frauentag ist ein wenig so wie ein Chor: Wirklich schön wird der Klang erst durch die Unterschiedlichkeit der Stimmen, die erst einmal unvereinbar scheinen, um sich dann zu einem Ganzen zusammenzufügen. Dem gemeinsamen Lied.

#PressforProgress – Internationaler Frauentag 2018

Press for Progress, ist das Motto des diesjährigen Internationalen Weltfrauentages. Es geht selbstverständlich auch 2018 darum, der noch fehlenden Selbstverständlichkeit einer Gleichstellung erneut Aufmerksamkeit zu verschaffen. Aber der besondere Fokus liegt darauf, Menschen mit ins Boot zu holen, die bis dato stumm geblieben sind. Viele haben ja bisher vielleicht geglaubt, dieses Anliegen sei ein reines Frauenthema, gehöre einzelnen Feministinnen, Institutionen und Organisationen. Das Bewusstsein zu schaffen, die Ungleichbehandlung von Frauen nicht als ein ausschließliches Frauenthema, sondern eine Menschenrechtsverletzung zu erkennen und sich diesem Thema nachdrücklich anzunehmen, Veränderungen zu beschleunigen –  dies ist das besondere Anliegen des Internationalen Frauentages 2018.

Nun mal langsam Ladys – Rom ist auch nicht…

Dankeschön, das wissen wir alles und haben uns auch bisher ausgesprochen geduldig mit kleinen Fortschritten zufriedengegeben. Jetzt drücken wir aber mal aufs Tempo, denn es scheint in Vergessenheit geraten zu sein, dass die Ungleichbehandlung der Geschlechter schon 1900 von der damals entstandenen britischen und amerikanischen Bewegung der Suffragetten angeprangert wurde. Ging es den Frauen aus dem Bürgertum damals vorrangig um das Erlangen des Wahlrecht (Suffrage=Wahlrecht) breitete sich diese neue Methode des Frauenprotestes schnell überall auf der Welt aus. Der Begriff der Frauenrechtlerin war entstanden. Also, von fehlender Geduld zu sprechen ist ja wohl eher makaber.

Ich sage #PressforProgress und würde dennoch gerne eine Änderung vornehmen, indem ich das Wort Gleichberechtigung gegen Gleichwertigkeit austausche. Was meinen Sie?

Ihre Gabriele

 

6 thoughts on “Gedanken zum Internationalen Frauentag”

  1. Liebe Gabi, ich brauche tatsächlich manchmal einen kleinen Anstoß, um erneut über etwas nachzudenken. Umso besser, wenn es dann auch geschieht.

    Liebe Grüße und einen wunderschönen Sonntag
    Deine Gabriele

  2. Liebe Gabriele
    ich hatte ähnliche Gedanken wie Du vor dem Austausch mit Deiner Tochter. So unter dem Motto ich brauche diesen Weltfrauentag nicht, bin Frau genug usw.
    Doch wenn man das Große Ganze sieht dann hat dieser Tag einfach eine andere Dimension!
    Liebe Grüße Gabi

  3. Liebe Susanne, das kann ich absolut nachvollziehen. Ich habe 10 Jahre an der Ostseeküste in den neuen Bundesländern gelebt und damals ist mir die Selbstgefälligkeit des Tages sehr, sehr unangenehm aufgestoßen. Das hat bis heute angehalten und erst durch die Diskussion mit meiner Tochter habe ich noch einmal hingeschaut und mir zu der eigentlichen Bedeutung Gedanken gemacht. Jetzt ist er mir weitaus sympathischer. Daher meine Gedanken via BlogPost, der nicht als emsiges Jubilieren verstanden werden soll.

    Ich danke Dir vielmals für Deine ehrlichen Worte und freue mich schon auf Deinen nächsten Kommentar
    Deine Gabriele

  4. Schwieriges Thema, meine Gedanken dazu würden den Rahmen eines Kommentars sprengen.
    Ich bin grundsätzlich skeptisch, was diese speziell ausgerufenen Tage betrifft. Als Frau aus dem Osten hat dieser 8. März für mich einen schalen Beigeschmack, weil er viele Jahre ein verordneter Jubeltag sein sollte und letztlich an den wirklich wichtigen Problemen der Zeit vorbei ging. Die Blümchen, der Sekt und der feuchte Händedruck vom Chef waren mir ein Graus – auch die “besonderen” Kulturprogramme nur für die Frauen …. Seit gefühlt 5 bis 10 Jahren ist er medial wieder im Focus – wo war er davor, in den Jahren zwischen 1989- 2010?
    Was du schreibst, ist des Pudels Kern, aber braucht es dafür einen besonderen Tag? Wahrscheinlich und vielleicht noch lange…

    Liebe Grüße
    Susanne

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